„Wieso grinst Du denn so?“, piepst es leise hinter mir. Ich schaue von dem Textbuch auf. „Was meinst Du?“, frage ich Eddi, der Klaus mit dem Flügel anstubst und dann schauen mich die beiden intensiv an. „Na los, was ist?“ Klaus lässt sich zu mir herab, setzt sich
auf meine Rückenlehne und legt den Kopf schief. „Du hast da so ein dümmliches Lächeln im Gesicht. Ist alles in Ordnung?“, flüstert er mitfühlend. „Die hat bestimmt wieder mal komische Ideen, stimmt’s?“, mischt sich Eddi in keiner Weise empathisch ein. Ich lächle
schwach. „Heute in der Probe war es irgendwie schwer. Die Szene wollte einfach nicht funktionieren. Alle waren müde, niemand wusste weiter.“ „Und dann?“, fragt Eddi gespannt und hüpft einen Schritt näher. „Dann habe ich einfach gesagt: Wir spielen die
Szene jetzt so, als wüssten wir, dass am Ende alles gut wird. Einfach so. Ohne Begründung.“ Klaus blinzelt. „Klingt komisch, Eddi hat recht.“ „Vielleicht“, sage ich. „Aber auf einmal haben sich alle anders bewegt. Leichter. Mutiger. Und plötzlich war da etwas im
Raum ... als hätte jemand ein Fenster geöffnet.“ Eddi plustert sich besserwisserisch auf. „Ah ja, das ist Hoffnung! Sie kommt oft leise herein, wenn man ihr Platz macht.“ Ich nicke langsam. „Vielleicht ist Hoffnung gar kein großes Feuerwerk. Vielleicht ist sie nur der
kleine Gedanke: Wir versuchen es noch einmal.“ „Im Theater“, sagt Eddi, „tut ihr ja ständig so, als könnte sich alles verändern. Vielleicht übt ihr genau das: Hoffen.“ Er lächelt zufrieden. Klaus nickt weise. Und ich ... ich grinse weiter vor mich hin.
Theaterpädagogin Asia Schreiter
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